„Luther 1521“ und „Gespräche auf dem roten Sofa“: Der Gemeine Kasten und die Sozialordnung

Die Wittenberger Vortragsreihe „Luther 2021“ der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt beschäftigt sich im März mit dem „Gemeinen Kasten“ und wird verknüpft mit dem neuen Format „Gespräche auf dem roten Sofa“.

 

Am Dienstag, den 23. März widmet sich der Kirchenhistoriker Dr. Andreas Stegmann in seinem Vortrag in der Reihe „Luther 1521“ dem „Gemeinen Kasten“. Verknüpft wird der Vortrag mit dem neuen Format „Gespräche auf dem roten Sofa“, das die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Evangelischen Wittenbergstiftung ins Leben gerufen hat. Anknüpfend an einen historischen Vortrag rücken in diesen Gesprächen mit prominenten Zeitgenossen Kontexte in den Fokus, in denen uns die revolutionären Forderungen der Wittenberger Reformatoren noch heute bzw. heute wieder existentiell beschäftigen.

 

Coronabedingt werden beide Angebote digital auf www.martinluther.de sowie über die sozialen Netzwerke der Stiftung bereitgestellt.

 

In seinem Vortrag „Der Gemeine Kasten“ geht Andreas Stegmann der Frage nach, ob die Reformation den modernen Sozialstaat erfunden hat. Im Wittenberger Lutherhaus wird der „Gemeine Kasten“ ausgestellt, der einen Einschnitt in der Geschichte der Armenfürsorge markiert. Der Kirchenhistoriker zeigt auf, wie diese eisenbeschlagene Holzkiste mit drei Schlössern in den reformatorischen Umbruch hineingehört und welche Bedeutung sie für den frühneuzeitlichen Protestantismus hatte. Geld war nämlich wichtig, wenn man die Kirche erneuern wollte – aber es kam darauf an, richtig damit umzugehen.

 

Im Anschluss beschäftigen sich Renke Brahms, Theologischer Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung und Ulrich Lilie, Präsident des Diakonischen Werkes Deutschland und Vorstandsmitglied im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung in ihrem „Gespräch auf dem roten Sofa“ mit der Wittenberger Bewegung – aktuell: „Unerhört! Reform der Sozialordnung heute“. Im Rahmen der „Wittenberger Bewegung“ in den Jahren 1521/22 entwickelte sich in Wittenberg eine neue Sozialordnung mit dem „Gemeinen Kasten“ und der „Löblichen Ordnung der fürstlichen Stadt Wittenberg“. Nach der historischen Betrachtung dieser Entwicklung im Vortrag von Andreas Stegmann wird hier über aktuelle Herausforderungen für eine soziale Ordnung in Deutschland angesichts einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft gesprochen.

 

Die Reformation gehört zu den historischen Umbrüchen, deren Themen auch nach 500 Jahren nichts von ihrer Relevanz eingebüßt haben. In besonderer Weise gilt dies für reformatorische Neuerungen, die das Gemeinwesen, die soziale Ordnung und die Kommunalisierung kirchlich-politischer Verantwortung betreffen. Aus diesem Grund hat die Stiftung Luthergedenkstätten in Ergänzung der bewährten historischen Vortragsreihe zusammen mit der Evangelischen Wittenbergstiftung das Veranstaltungsformat „Gespräche auf dem Roten Sofa“ entwickelt. Die Vortrags-reihe „Luther 1521“ eignet sich in besonderer Weise dafür, denn 1521, in dem Jahr, in dem Luther nicht in Wittenberg war, da er am 2. April zum Wormser Reichstag aufbrach und erst nach seinem Wartburgaufenthalt knapp ein Jahr später zurückkehrte, begannen in der Stadt die sogenannten Wittenberger Unruhen, in denen in kurzer Zeit radikale Reformen durchgesetzt wurden, die modellhaften Charakter für die Reformation in ganz Europa gewannen.

 

WER:                  Dr. Andreas Stegmann ist Privatdozent für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. 2014 bekam er den Martin-Luther-Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Renke Brahms ist seit Anfang 2019 Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung. Außerdem ist er seit 2008 erster Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland und vor allem in der Friedens- und Entwicklungsarbeit aktiv.

Pfarrer Ulrich Lilie ist seit 2014 Präsident der Diakonie Deutschland und seit 2020 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung. In diesem Jahr wurde er Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

 

WANN:               Dienstag, den 23. März 2021, 18:30 Uhr

 

WO:                    Die Videos werden auf der Internetseite www.martinluther.de sowie auf dem YouTube-Kanal und der Facebook-Seite der Stiftung bereitgestellt.

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