Wittenberger Bewegung

Am 2. April 1521 verlässt Luther Wittenberg und fährt nach Worms zum Reichstag. Auf der Rückfahrt wird er „entführt“ und auf die Wartburg gebracht, wo er als Junker Jörg lebt und die Bibel übersetzt. In dieser Zeit entwickeln sich die Ereignisse in Wittenberg in rascher und radikaler Weise. Es gilt als die Zeit der „Wittenberger Bewegung“, die auch aufrührerische Aspekte beinhaltete. Eine wesentliche Rolle spielt dabei Andreas Bodenstein (Karlstadt). Er feiert am 1. Weihnachtstag mit anderen den ersten evangelischen Gottesdienst in deutscher Sprache und das Abendmahl in beiderlei Gestalt in der Schlosskirche. Im Frühjahr 1522 wird unter seiner maßgeblichen Führung die „Löbliche Ordnung der fürstlichen Stadt Wittenberg“ vom Rat der Stadt verabschiedet, in der es um Gottesdienstbuch Fragen geht, aber auch um das Verbot des Bettelns, die Einrichtung des „gemeinen Kastens“. Damit war eine neue Grundlegung für die Sozialordnung geschaffen.

Am 9. März 1522 kehrt Luther nach Wittenberg zurück und hält seine berühmten Invokavitpredigten, in denen er zu grundsätzlichen Themen und den Entwicklungen in Wittenberg Stellung nimmt.

Fides cantat – der Glaube singt

Die Reformation war eine Singe-Bewegung. Martin Luther hat eine ganze Reihe von Kirchenliedern geschrieben, die heute im Evangelischen Gesangbuch stehen. Die Gemeinde konnte in deutscher Sprache im Gottesdienst mitsingen. Die Lieder selbst waren so etwas wie kleine Lehrstücke des evangelischen Glaubens.

Das Jahr 1524 kann als das Geburtsjahr des Evangelischen Gesangbuchs bezeichnet werden.

Zum Jahreswechsel 1523/24 erschien das „Achtliederbuch“.  Es enthält vier Lieder von Martin Luther, drei von Paulus Speratus und schließt mit einem eventuell Justus Jonas zuzuschreibenden Lied. Es kann als Vorläufer aller evangelischen Gesangbücher gelten.

Ebenfalls im Jahr 1524 erschien das Erfurter Enchiridrion (griech. für Handbüchlein) in zunächst zwei konkurrierenden Ausgaben verschiedener Drucker mit deutlich mehr Liedern und dem abgedruckten Glaubensbekenntnis.

Im selben Jahr wie das Achtliederbuch und das Erfurter Enchiridion erschien 1524 in Wittenberg das Geystliche Gesangk Buchleyn mit 43 drei- bis fünfstimmigen Kirchenlied-Bearbeitungen von Johann Walter. Martin Luther steuerte zu dieser Sammlung eine Vorrede und 24 Lieder bei, darunter sechs Dichtungen, die zuvor noch nicht im Druck erschienen waren.

Die Wirkung der Lieder und des dadurch ermöglichten Gemeindegesangs für die Ausbreitung der reformatorischen Gedanken kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es ist daher angebracht, das Jahr 2024 zum Anlass zu nehmen, den Gesang und den Liederschatz der Evangelischen Kirche zu würdigen und dankbar zu feiern. Auf dem Weg zum Jubiläum wird es verschiedene Meilensteine geben. Der erste Meilenstein ist das Internationale Protestantische Chorfestival vom 27. bis 30. August in Wittenberg unter dem Titel: Fides Cantat – Freiheit singe, Friede klinge. Es nimmt die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven auf und verbindet dies mit dem Weg zum Jubiläum des Evangelischen Gesangbuchs. Chöre sind eingeladen, mit dem Rias-Kammerchor in Workshops und Konzerten zusammenzuarbeiten und aufzutreten.

http://www.fides-cantat.de

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